Die deutsche Reisebranche startet mit robusten Zahlen in den Sommer 2026. Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Nachfrage hoch. Frühere Buchungsentscheidungen und eine klare Präferenz für organisierte Reiseformen prägen die Saison.
Zu Beginn der ITB Berlin äußerte sich der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Albin Loidl, mit Blick auf die Eskalation im Nahen Osten besorgt. Die Sicherheit der Reisenden und der Partner vor Ort habe oberste Priorität. Die aktuellen Entwicklungen zeigten, wie eng vernetzt und zugleich verletzlich die Welt sei.
Früher gebucht, stabil gewachsen
Die Sommerurlaube zwischen Mai und Oktober wurden so früh gebucht wie noch nie. Ein Großteil der Reisen ging bereits im zweiten Halbjahr 2025 ein. Entsprechend verzeichnete der Januar geringere Buchungseingänge als im Vorjahr – allerdings auf deutlich höherem Vorlaufniveau.
Nach Auswertungen von Travel Data + Analytics (TDA) für den DRV liegt der Umsatz der Sommersaison Ende Januar um 7 Prozent über dem Vorjahreswert, die Zahl der Reisenden um 4 Prozent. Grundlage sind Buchungsdaten aus Reisebüros und Online-Portalen, die Veranstalterprodukte vertreiben.
An der Spitze der Sommerziele steht die Türkei, sowohl nach Umsatz als auch nach Gästezahl. Es folgen Spanien und Griechenland. Auch Ägypten, Italien und Portugal zählen zu den gefragten Destinationen. Die Türkei erreicht derzeit ein Umsatzplus von 12 Prozent, Griechenland kommt auf 8 Prozent, Spanien auf 5 Prozent. Überdurchschnittlich wachsen Ägypten mit 18 Prozent und Italien mit 17 Prozent. Bulgarien knüpft an das starke Vorjahr an.
Bei der Reiseform dominiert die klassische Flugpauschalreise. Ihr Umsatz steigt im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent, die Zahl der Gäste um 12 Prozent. Auch Kreuzfahrten legen weiter zu und erzielen ein Umsatzplus von 10 Prozent gegenüber dem Sommer 2025.
Fernreisen: Verschiebung nach Osten
Fernreisen tragen im Sommerhalbjahr 9 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Während westliche Ziele an Boden verlieren, profitieren Destinationen in östlicher Richtung von wachsender Nachfrage. Die Malediven und Mauritius steigern ihre Umsätze jeweils um 27 Prozent, Thailand legt um 3 Prozent zu.
Demgegenüber verzeichnen die Karibik sowie Mittel- und Südamerika Rückgänge. Besonders deutlich fällt die Entwicklung für die USA aus, bislang das beliebteste Fernziel der Deutschen. Zum Stichtag Ende Januar liegen sowohl Umsatz als auch Gästezahl zweistellig unter dem Vorjahresniveau. Im Zielranking rutschen die Vereinigten Staaten von Rang 8 auf Platz 14 ab. Flugpauschalreisen zeigen sich dabei weniger rückläufig als individuell zusammengestellte Reisen.
Nach einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag des DRV nennen rund die Hälfte der Befragten politische und gesellschaftliche Entwicklungen als Grund für Zurückhaltung bei USA-Reisen. 37 Prozent führen finanzielle Gründe an, 31 Prozent empfinden Einreisebestimmungen und organisatorische Hürden wie das ESTA-Verfahren als Hemmnis. 15 Prozent geben an, kein Interesse an den USA zu haben oder andere Reisepläne zu verfolgen.
Trotz Zuwächsen in Asien führt die Schwäche der USA insgesamt zu einem leichten Minus im Fernreisegeschäft. Der Umsatz liegt derzeit 1 Prozent unter Vorjahr, die Zahl der Reisenden sinkt um 4 Prozent.
Auch die Wintersaison 2025/26 entwickelt sich positiv. Zur Halbzeit zwischen November und April liegt der Umsatz 4 Prozent über Vorjahr, die Gästezahl steigt um 2 Prozent.













