Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten sendet die ITB Berlin 2026 ein Signal der Stabilität. Drei Tage lang richtet sich der Blick der internationalen Reisebranche auf die deutsche Hauptstadt. Die Weltleitmesse des Tourismus begeht ihr 60-jähriges Bestehen mit einer ausgebuchten Veranstaltung und nahezu 6.000 Ausstellern aus mehr als 160 Ländern.
Seit ihrer Gründung 1966 hat sich die ITB von einer Fachschau zu einer globalen Branchenplattform entwickelt. Heute verbindet sie Akteure entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette und ist mit Veranstaltungen in Europa, Asien und Amerika international präsent. In einer Phase globaler Verwerfungen versteht sich die Messe als Ort für Marktanalyse, Geschäftsabschlüsse und strategische Allianzen. Messechef Mario Tobias betont die Rolle der ITB als Plattform, auf der wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft und Verantwortung zusammengeführt werden. Angesichts der Entwicklungen im Nahen Osten stehe man in engem Austausch mit Partnern und bewerte die Lage fortlaufend.
Globale Nachfrage und stabile Reisedynamik
Die Jubiläumsausgabe ist vollständig ausgebucht. Zu den größten Ausstellern zählen Thailand, Ägypten, die Türkei und Italien. Besonders stark wächst die Nachfrage aus Asien sowie aus Nord- und Südamerika. Mit dem ITB Buyers Circle kommen internationale Einkäufer aus 63 Ländern nach Berlin, fast die Hälfte von ihnen erstmals. Die Messe bleibt damit ein zentraler Treffpunkt für Vertragsverhandlungen und strategische Gespräche.
Auch die Marktdaten stützen die positive Grundstimmung. Nach dem World Travel Monitor von IPK International nahmen die weltweiten Auslandsreisen 2025 um vier Prozent zu. Südamerika verzeichnete mit plus elf Prozent das stärkste Wachstum. Europa lag im Durchschnitt, Asien wuchs moderat, Nordamerika blieb leicht rückläufig. Urlaubsreisen dominieren weiterhin, während Geschäfts- und insbesondere MICE-Reisen überdurchschnittlich zulegten. Die durchschnittliche Reisedauer stieg auf neun Nächte, die Ausgaben pro Reise erhöhten sich um fünf Prozent. Für 2026 erwarten Experten eine stabile Nachfrage, zugleich gewinnen Themen wie Overtourism und Nachhaltigkeit an Bedeutung.
Strategien für Balance und Wettbewerbsfähigkeit
Technologie und datenbasierte Steuerung prägen die strategischen Debatten der Branche. Künstliche Intelligenz, automatisierte Prozesse und neue Plattformmodelle verändern Geschäftsmodelle und operative Abläufe. Der begleitende ITB-Kongress steht unter dem Leitmotiv „Leading Tourism into Balance“ und diskutiert, wie sich Wachstum, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Resilienz miteinander verbinden lassen. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Technologie beleuchten geopolitische Verschiebungen, Klimafragen und KI-Anwendungen.
Parallel erscheint die zweite Ausgabe des „ITB Travel & Tourism Report 2026/2027“. Die Studie wirbt für ein erweitertes Verständnis von Kennzahlen: Neben klassischen Vertriebsdaten sollten Nachhaltigkeits- und Sozialindikatoren stärker in unternehmerische Entscheidungen einfließen. Einheitliche KPI-Modelle könnten helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Geschäftsmodelle robuster auszurichten.
Gastland ist Angola. Als drittes afrikanisches Partnerland in der Geschichte der ITB nutzt das Land die Bühne, um seine touristischen Potenziale international zu positionieren und neue Geschäftsbeziehungen zu knüpfen.
Zum 60-jährigen Jubiläum flankieren Sonderformate und Ausstellungen die Messe.













