Mehr Freiheit, weniger Pflichtprogramm: Für das Reisejahr 2026 zeichnen sich klare Verschiebungen im Urlaubsverhalten ab. Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag von Norwegian Cruise Line (NCL) sowie ein internationaler Trendreport von Accor kommen zu einem ähnlichen Befund: Reisende suchen emotionale Intensität, Flexibilität und bewusste Entschleunigung.
Freiheit statt durchgetakteter Urlaub
Mehr als die Hälfte der von YouGov Befragten plant, 2026 gezielter und bewusster zu reisen. Nahezu 80 Prozent wollen ihren Urlaub stressfreier gestalten, 86 Prozent suchen Quality Time fernab alltäglicher Ablenkungen. Über 60 Prozent würden einen Tag voller Besichtigungen gegen ungestörte Erholung eintauschen. Vier von fünf wünschen sich zudem die Freiheit, jeden Urlaubstag spontan nach Stimmung zu gestalten.
Auch bei der Wahl der Reisebegleitung steht Verbundenheit im Vordergrund. Mehr als 40 Prozent planen eine Reise mit dem Partner, 30 Prozent mit mehreren Generationen der Familie. Rund jeder Zehnte setzt auf Urlaub mit Freunden.
NCL ordnet diese Entwicklung unter dem Schlagwort „Joy of Missing Out“ ein – als Gegenentwurf zum überfrachteten Sightseeing-Programm. Die Reederei wirbt mit Preisnachlässen von bis zu 50 Prozent in Kombination mit dem „Free at Sea“-Paket, das unter anderem Getränkepaket, WLAN, ausgewählte Restaurantleistungen, Vergünstigungen bei Landausflügen sowie auf bestimmten Abfahrten Bordguthaben umfasst.
Emotionen als Leitmotiv des Reisens
Zu vergleichbaren Ergebnissen kommt der „Experiential Travel Trends 2026 Report“, den Accor gemeinsam mit der Trendforschungsagentur Globetrender auf Basis einer Befragung von rund 4.500 Reisenden in neun Ländern vorgelegt hat. 95 Prozent der befragten Deutschen geben an, aus Reisen emotionale Kraft zu schöpfen. Für rund ein Fünftel stehen die erwarteten Gefühle bereits am Beginn der Online-Recherche.
Accor spricht von einer „Endorphin Economy“: 76 Prozent der Deutschen verbinden Live-Erlebnisse mit intensiven Glücksgefühlen. Mehr als die Hälfte würde für Konzerte reisen, rund 40 Prozent für Festivals, knapp 38 Prozent für Sportveranstaltungen. Einzigartige Momente gewinnen an Bedeutung.
Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Authentizität und Erdung. Rund 71 Prozent möchten mehr Zeit im Freien verbringen, 58 Prozent suchen gezielt lokale oder saisonale Küche. Mehr als 63 Prozent verlassen sich auf Empfehlungen von Einheimischen oder Hotelteams, während algorithmische Vorschläge zurückhaltender bewertet werden.
Reisen soll darüber hinaus mit dem eigenen Lebensstil vereinbar bleiben. Jeweils rund ein Drittel der Deutschen achtet unterwegs auf vertraute Mahlzeiten und Schlafgewohnheiten. Fast jeder Zweite empfindet die Verbindung von Arbeit und Reise als reizvoll. Gemeinschaftliche Erlebnisse, nostalgische Bezüge und analoge Erinnerungsstücke gewinnen ebenfalls an Wert.
Beide Unternehmen reagieren damit auf eine Kundschaft, die Reisen als Resonanzraum versteht. Der klassische Erholungsurlaub bleibt bestehen, erhält jedoch eine neue Akzentuierung: weniger Checkliste, mehr Gefühl, mehr Selbstbestimmung.













