Inselhüpfen in der Ägäis

Die seidige Luft, die Kontraste zwischen dem Blau der See und dem gleißenden Weiß der Häuserkuben, Stopps auf Santorin, Mykonos, Korfu, der sagenhaften Götterinsel Kreta – das und vieles mehr ist Island Hopping in der Ägäis. Ein Highlight unterwegs ist die Fahrt durch den Kanal von Korinth, ein weiteres abseits der Wasserroute ein Landausflug zu den Meteora-Klöstern, die zum Weltkulturerbe zählen. Crucero war an Bord, als das Expeditions-Kreuzfahrtschiff „World Explorer“ von Nicko Cruises im Oktober 2020 die Inselwelten Griechenlands entdeckte.

Klei­ne Schif­fe – gro­ße Erleb­nis­se“ – so eti­ket­tiert der Stutt­gar­ter Ver­an­stal­ter Nicko Crui­ses sein Pro­gramm. Von den Flüs­sen der Erde hat man sich nun erfolg­reich aufs Meer gewagt.
Damit liegt man im Fahr­was­ser des Trends, mit kom­pak­ten Schif­fen Orte und Anker­plät­ze anzu­steu­ern, die man nicht nur besucht, son­dern so rich­tig erkun­det und mit allen Sin­nen wahr­nimmt.
Nicko Crui­ses steht gleich­zei­tig für ein Stück­chen Glo­ba­li­sie­rung: Der deut­sche Kreuz­fahrt-Ver­an­stal­ter in por­tu­gie­si­schem Besitz steu­ert vol­le Kraft vor­aus in die Ägäis.

Reisen in Pandemie-Zeiten

Wenn die ers­ten Herbst­stür­me über Mit­tel­eu­ro­pa hin­weg­zie­hen, wird es kalt und unge­müt­lich. Ein idea­ler Zeit­punkt, um es den Zug­vö­geln gleich­zu­tun. Ab unter die Son­ne des Südens, genau­er gesagt: zunächst mit dem Flug­zeug nach Athen. Doch in anhal­ten­den Coro­na-Zei­ten wie die­sen beginnt die Ein­stim­mung auf die Rei­se bereits vorher.


Am Abend vor der Abrei­se schwirrt das Resul­tat eines von Nicko Crui­ses per Bote ins Haus gelie­fer­ten PCR-Tests ein; ohne den Nach­weis ist weder die Ein­rei­se nach Grie­chen­land noch der Zutritt zur Gang­way gestat­tet. Kurz vor der Ein­schif­fung heißt es noch­mals, bei dem vom Schiffs­arzt durch­ge­führ­ten Anti­gen­test das nasa­le Innen­le­ben auf den Prüf­stand zu stel­len.
Die wei­ter­füh­ren­den Hygie­ne­maß­nah­men an Bord sind durch­dacht und strikt – denn nur so gelingt eine Kreuz­fahrt in Pandemie-Zeiten.

Mamma Mia

Lei­nen los! Der „World Explo­rer“ ver­lässt den Hafen von Pirä­us und fährt an „Mein Schiff 6“ vor­bei, dem ein­zi­gen ande­ren Kreuz­fahrt­schiff, das zu die­ser Zeit (im Herbst 2020) in der Ägä­is unter­wegs ist.
Am nächs­ten Mor­gen gerät Sko­pe­los in Sicht – und mit dem Ten­der­boot geht‘s an Land. Nun steht ein geführ­ter Orts­rund­gang auf dem Pro­gramm, beglei­tet von der Ver­kos­tung loka­ler Spezialitäten.


Mit­tags fährt das Schiff wei­ter zur Nach­bar­in­sel Ski­a­thos, Schau­platz der Dreh­ar­bei­ten der erfolg­rei­chen Musi­cal-Ver­fil­mung „Mam­ma Mia“ mit den Welt­hits von Abba. Wir schlen­dern durch male­ri­sche Gas­sen und erfreu­en uns nicht nur am Ambi­en­te, son­dern ganz beson­ders an der Frei­heit, dies auf eige­ne Faust zu tun.


Hier zeigt sich der Vor­teil eines klei­nen Schif­fes mit über­schau­ba­rer Gäs­te­zahl: Indi­vi­du­el­le Land­gän­ge sind von den grie­chi­schen Behör­den genehmigt.

Mediterrane Aromen

Es muss nicht immer Kavi­ar sein – denn es soll ja auch preis­wer­ter sein als bei der Fünf-Ster­ne-Kon­kur­renz im 200 Gäs­te-Seg­ment. Aber der Qua­li­tät tut dies kei­nen Abbruch. Das kuli­na­ri­sche Ange­bot, oft­mals mit medi­ter­ra­ner Note, lässt kei­ne Wün­sche offen.
Der öster­rei­chi­sche Hotel­di­rek­tor Tho­mas Leit­ner und der eng­li­sche Küchen­chef David Buchanan mit sei­ner Gal­ley-Crew haben alles in Griff. Das Ser­vice-Team ist kom­pe­tent, top­mo­ti­viert und glück­lich, in die­ser her­aus­for­dern­den Zeit auf einem fah­ren­den Schiff mit Gäs­ten zu arbei­ten. So auch Ste­war­dess Nadi­ne aus dem Bur­gen­land, ein wah­rer Son­nen­schein, deren Lächeln man auch hin­ter der obli­ga­to­ri­schen Mund-Nasen-Schutz­mas­ke erkennt. Und wenn der rund­li­che Oscar aus Hon­du­ras mit sei­ner unver­kenn­ba­ren Lache die Bestel­lung auf­nimmt und jede Wahl mit „Excel­en­te“ bestä­tigt, dann wird einem warm uns Herz.

Beim Wel­co­me Din­ner wächst die Küchen­bri­ga­de über sich hin­aus und prä­sen­tiert ein vom por­tu­gie­si­schen Zwei-Miche­lin-Ster­ne-Koch Rui Pau­la kon­zi­pier­tes Menü. Da läuft einem an Bord das berühm­te Was­ser im Mund zusam­men.
Die Vor­spei­se besteht aus Jakobs­mu­scheln mit Karot­ten-Ing­wer-Püree und Scam­pi-Sau­ce, beim Haupt­ge­richt kommt der See­barsch mit einer Blu­men­kohl­tex­tur und Muschel­sauce auf den Tisch.
Krö­nen­der Abschluss ist die Des­sert­plat­te „Die Zitrus­früch­te“, deren Beschrei­bung auf der Spei­se­kar­te punkt­ge­nau ist: Tex­tu­ren und Aro­men von fri­schen Zitrus­früch­ten, Man­da­ri­nen­gel, gebut­ter­ter Streu­sel, das Gan­ze inmit­ten eines wei­chen Zen­trums aus Zitro­nen­mousse, das im Mund schmilzt und den Geschmacks­hö­he­punkt mit einem nach Limet­te duf­ten­den Merin­gue erreicht.

Ehrfurcht in Meteora

Der „World Explo­rer“ erreicht den Hafen von Volos. Nun steht ein Ganz­tags­aus­flug zu den als UNESCO-Welt­erbe zäh­len­den Meteo­ra-Klös­tern auf dem Pro­gramm. Abge­se­hen vom Berg Athos, gilt das Kon­glo­me­rat der Klös­ter dahin­ge­hend als Höhe­punkt auf der Kar­te der grie­chi­schen Kul­tur­land­schaft.
Das Leben begann mit den ers­ten Ein­sied­lern im 11. Jahr­hun­dert. Har­mo­nisch ver­schmel­zen Fel­sen und Gebäu­de und besche­ren Gän­se­haut-Momen­te, ob beim Blick hin­auf zu Agi­os Niko­la­os Ana­paf­sas oder den Besich­ti­gun­gen von Agi­os Var­laam und Agi­os Stefanos.

Die Windmühlen von Mykonos

Nach ruhi­ger Nacht auf See erspä­hen wir sie bei Tages­an­bruch in der Fer­ne: Die berühm­ten Wind­müh­len von Myko­nos, dazu wei­ße Häu­ser­mee­re. Doch nicht nur die­se Anbli­cke begeis­tern.
Die Erkun­dun­gen brin­gen uns ins Schiff­fahrts­mu­se­um und nach Litt­le Veni­ce, wo durch Coro­na kaum Tou­ris­ten anzu­tref­fen sind. Gut für uns, schlecht fürs Tou­ris­mus­ge­schäft.
Myko­nos leben­de Wahr­zei­chen sind Peli­ka­ne, die sich augen­zwin­kernd auch auf Social Distancing-Schil­dern wie­der­fin­den: Zwi­schen zwei Ver­tre­tern des Homo sapi­ens möge man den Abstand von 1,5 Metern ein­hal­ten, was in etwa dem Volu­men eines erwach­se­nen Pelikans (mit aus­ge­brei­te­ten Flü­geln) ent­spricht.
Ein finan­zi­el­ler Höhen­flug ist der Auf­stieg zur 180º Sun­set Bar. Das kos­tet stol­ze 20 Euro Ein­tritt. Dafür gibt’s einen Ape­rol Spritz, Chill­out-Beats und Abend­stim­mung deluxe.

Millimeterarbeit im Kanal von Korinth

Nur weni­ge Kreuz­fahrt­schif­fe durch­fah­ren den his­to­ri­schen Kanal von Korinth. Kapi­tän Augus­to Neto und sei­ne Brü­cken­be­sat­zung stel­len sich der Her­aus­for­de­rung – gemein­sam mit loka­len Lot­sen und mit Hil­fe eines Schlep­pers. Der Kanal wur­de 1893 fer­tig­ge­stellt und ver­bin­det den Golf von Korinth im Ioni­schen Meer mit dem Saro­ni­schen Golf in der Ägä­is.
Er ist 6,4 Kilo­me­ter lang und an sei­ner Basis nur 21,4 Meter breit. Wenn man sich Maße der „World Explo­rer“ vor Augen hält – 19 Meter Brei­te bei einer Län­ge von 126 Metern – kann man leicht aus­rech­nen, dass alles ver­dammt knapp ist und Ner­ven­kit­zel bedeu­tet. Die Durch­fahrt dau­ert eine Stun­de. Bei der Wei­ter­fahrt nach Itea, dem Aus­gangs­punkt für einen Aus­flug zum Ora­kel von Del­phi, gibt’s für Pas­sa­gie­re wei­te­res Bonus­ma­te­ri­al. Del­fi­ne beglei­ten eine Zeit lang das Schiff.

Pink, Purpur, Orange

Der „World Explo­rer“ ankert vor Fis­kar­do. Male­risch wie der klei­ne Ort ist das Far­ben­spiel, bei dem Grün und Blau ver­schwim­men.
Die Kefa­lo­nia-Pan­ora­ma­fahrt führt an Assos und der tür­kis leuch­ten­den Myr­tos Beach vor­bei nach Agia Eff­imia. Hier stei­gen wir in Ruder­boo­te, um in die Melis­sa­ni-Höh­le zu gelan­gen, deren Was­ser als son­nen­durch­flu­te­tes Kunst­werk der Natur erstrahlt.
Nach­mit­tags ste­hen wie­der Boots­aus­flü­ge auf dem Pro­gramm, dies­mal mit den bord­ei­ge­nen Zodiac-Schlauch­boo­ten. „World Explo­rer“ ver­fügt über ins­ge­samt acht­zehn die­ser rasan­ten Gum­mi­ge­fähr­te, um Gäs­te bei Ent­de­ckungs­tou­ren zu neu­en Per­spek­ti­ven zu ver­hel­fen und an neue Ufer zu brin­gen.
Bei Son­nen­un­ter­gang flu­ten Pink- und Pur­pur­tö­ne den Hori­zont, wäh­rend es an Deck in der Far­be Oran­ge glimmt.
Chef David steht am Holz­koh­le­grill. Und die Küchen­bri­ga­de zau­bert ein BBQ-Abend­essen der Extra­klas­se, natür­lich mit fri­schem Fisch und grie­chi­schen Spe­zia­li­tä­ten.
Der Him­mel strahlt in Mil­lio­nen Ster­nen. Allei­ne die­se unver­gess­li­chen Ein­drü­cke loh­nen die gesam­te Reise.

Auf den Spuren von Sisi

In der Mor­gen­däm­me­rung pas­siert „World Explo­rer“ die majes­tä­ti­sche Fes­tung aus dem 15. Jahr­hun­dert und das Häu­ser­puz­zle von Ker­ky­ra, Haupt­stadt der Insel Kor­fu. Um acht Uhr an der Pier ist die Fri­sur bereits vom Win­de zer­zaust. Ein kräf­ti­ger Sturm ist auf­ge­zo­gen.
Beim Halb­ta­ges­aus­flug bli­cken wir auf das von Wind und Wel­len gepeitsch­te Pan­to­kra­tor-Klos­ter und ver­fol­gen, wie ein Air­bus eini­ge Anläu­fe braucht, bis er letzt­lich sicher auf der direkt am Was­ser gele­ge­nen Lan­de­bahn auf­setzt.
Pflicht­sta­ti­on ist der Achil­lei­on-Palast, einst Domi­zil der öster­rei­chi­schen Kai­se­rin Sisi.

Kursänderung

Der Sturm hat sich inten­si­viert – und obwohl „World Explo­rer“ auch gut und sicher in beweg­ter See fährt, ent­schei­det sich Kapi­tän Neto, nicht den ursprüng­lich geplan­ten Hafen Kata­ko­lon anzu­steu­ern, son­dern Zakyn­thos. Safe­ty first.
Dank der Kurs­än­de­rung kann das Schiff dort sicher im Lee der Insel lie­gen. Die meis­ten Gäs­te erfreu­en sich an einem Stadt­rund­gang, eini­ge mie­ten sich zu güns­ti­gem Preis spon­tan ein Auto, um auf eige­ne Faust die Insel zu erkun­den. Ein High­light ist der spek­ta­ku­lä­re Ship­w­reck Beach in der Nava­gio Bucht; seit 1980 sitzt die MV Panagio­tis hier auf Grund.

Zeitreise auf Kreta

Über Nacht nimmt der „World Explo­rer“ Kurs auf Kre­ta, wo das Häu­ser­meer von Cha­nia wie zum Emp­fang die Arme aus­brei­tet und unter­schied­lichs­te Zivi­li­sa­tio­nen in der lan­gen Geschich­te Spu­ren hin­ter­las­sen haben. Heu­te ist es Kre­tas zweit­größ­te Stadt.
Cha­ni­as Alt­stadt­gas­sen ver­set­zen uns in eine ande­re Zeit. Eini­ge Gäs­te sat­teln auf eine Pfer­de­stär­ke um, indem sie eine Kut­schen­fahrt am vene­zia­ni­schen Hafen ent­lang star­ten. Die Kulis­sen dazu sind ein Gesamt­kunst­werk aus Kir­chen, Brun­nen, Bögen, Blu­men­pracht und vene­zia­ni­schen Palästen.

Abschied auf Santorin

Wenn es ein Ziel gibt, das als Inbe­griff der grie­chi­schen Insel zur Erfül­lung von Träu­men ange­se­hen wer­den kann, dann ist es sicher­lich San­to­rin.
Wir hat­ten das Pri­vi­leg, als ein­zi­ges Kreuz­fahrt­schiff in der Cal­de­ra zu lie­gen – ein außer­ge­wöhn­li­cher Anblick.
Über dem male­ri­schen Sze­na­rio in Blau und Weiß schwe­ben aber auch Coro­na-Sor­gen vor der tou­ris­ti­schen Zukunft. San­to­rin ist nun mal eine Desti­na­ti­on, die auf Besu­cher ange­wie­sen ist.
In den weni­gen geöff­ne­ten Restau­rants und Geschäf­ten spür­ten wir die Dank­bar­keit der Betrei­ber zumin­dest für die­se klei­ne Dosis Frem­den­ver­kehr. In der Taver­ne Lom­bra­nos direkt am klei­nen Fische­rei­ha­fen unter­halb von Fira genos­sen wir bei herr­li­chem Son­nen­schein gegrill­ten Okto­pus, frit­tier­te Kala­ma­re und grie­chi­schen Salat.
Der Eigen­tü­mer setz­te sich zu uns an den Tisch, schenk­te uns Wein ein und berich­te­te, dass er das Lokal in den nächs­ten Tagen erst­mal schlie­ßen wür­de – obwohl eigent­lich noch Nach­sai­son war, die sonst immer Gäs­te beschert und Ein­nah­men in die Kas­se gespült hat­te. Er hoff­te auf Ent­span­nung der Lage in der nächs­ten Sai­son – so wie auch wir bei der Rück­fahrt zum Hafen von Piräus. 

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