Mit AIDAprima und AIDAperla nimmt AIDA erstmals auch eine vergleichsweise junge Schiffsgeneration in großem Umfang in sein Evolution-Programm auf. Je rund 100 Millionen Euro will die Reederei nach eigenen Angaben in die beiden Schiffe investieren. Dabei geht es nicht nur um neue Restaurants, Bars und Familienbereiche: AIDA nutzt die Modernisierung auch, um Konzepte zu verändern, die sich im bisherigen Betrieb nicht in jeder Hinsicht bewährt haben.
AIDAperla soll vom 2. April bis 2. Mai 2027 bei Chantier Naval de Marseille in die Werft gehen, AIDAprima im Jahr 2028 folgen. Nach AIDAdiva, AIDAluna und AIDAbella sowie den folgenden Arbeiten an AIDAmar, AIDAblu, AIDAsol und AIDAstella nimmt die Reederei damit erstmals eine deutlich jüngere Schiffsgeneration in vergleichbarem Umfang in Angriff. AIDAperla ist zum vorgesehenen Werfttermin erst rund zehn Jahre alt.
Warum AIDA die Schiffe schon jetzt umbaut
Nach Angaben von AIDA existieren entsprechende Planungen bereits seit mehreren Jahren. Zunächst habe man die Erfahrungen mit den ersten Evolution-Umbauten abwarten wollen – sowohl bei den Abläufen in der Werft als auch bei der Frage, wie die neuen Konzepte von den Gästen angenommen werden.
Hinzu kommt der reguläre Werftzyklus. Die Schiffe gehen turnusmäßig etwa alle fünf Jahre in die Werft. Damit stellte sich für AIDA die Frage, ob der größere Umbau jetzt oder erst beim nächsten entsprechenden Aufenthalt erfolgen sollte. Nachdem die bisherigen Evolution-Projekte nach Einschätzung der Reederei sowohl organisatorisch als auch bei den Gästen funktioniert hätten, fiel die Entscheidung für den früheren Termin.
AIDA korrigiert auch Bereiche, die bisher nicht optimal funktionierten
Bei Prima und Perla geht es nicht allein darum, erfolgreiche Angebote anderer AIDA-Schiffe zu übernehmen. In einzelnen Bereichen zieht die Reederei auch Konsequenzen aus Erfahrungen mit der bisherigen Gestaltung.
Besonders deutlich wird das bei der Spray Bar am Bug. Ihr bisheriger Zugang führt durch das Nightfly. Nach Einschätzung von AIDA erwies sich diese Lösung vor allem am Abend als ungünstig: Gäste auf dem Weg zur Bar brachten Unruhe in das Nightfly, gleichzeitig gelangten beim Öffnen der Türen Musik und Geräusche in die Spray Bar. Künftig soll der Zugang deshalb über das D6 erfolgen.
Auch die Gestaltung der Spray Bar wird verändert. Die bislang stark in Weiß gehaltene Einrichtung habe zwar modern gewirkt, nach Einschätzung der Reederei aber zu wenig Aufenthaltsatmosphäre geschaffen. Dunklere Grün- und Brauntöne und eine stärker als klassische Bar angelegte Gestaltung sollen das ändern. Der kleine Außenbereich am Bug bleibt weiterhin zugänglich.
Eine weitere Veränderung betrifft den Kids Club. Er bekommt erstmals auf dieser Schiffsklasse einen eigenen Außenbereich. Dafür entfällt der bisherige Wave Club an dieser Stelle. Jugendliche sollen tagsüber stärker das D6 nutzen – einen Bereich, den diese Altersgruppe laut AIDA bereits heute häufig aufsucht.
Bei den übrigen Außendecks sieht die Reederei dagegen keinen vergleichbaren Bedarf für größere strukturelle Eingriffe. Farben, Bodenbeläge, Möbel und Liegen sollen erneuert werden, die grundlegende Aufteilung bleibt jedoch weitgehend erhalten. Anders als bei den älteren Selection-Schiffen verfügen Prima und Perla bereits über Außenbereiche und Konzepte, die dort erst im Zuge von Evolution ergänzt werden mussten.
Zu den ersten Bildern der neuen Bereiche: Galerie
Neue Angebote
Gleichzeitig übernimmt AIDA Angebote, die sich auf anderen Schiffen bewährt haben. Im gastronomischen Bereich gehören dazu unter anderem East Fusion, der Teppanyaki Asia Grill und Best Burger@Sea. Neu entwickelt wird ein Korean Barbecue.
Bei den Bars entstehen unter anderem eine Art Bar mit ruhigerer Atmosphäre und Kaffeespezialitäten sowie eine Panorama Bar & Lounge in der bisherigen Vinothek. Mit der Chili Out Bar kommt außerdem ein lateinamerikanisch und Tex-Mex-orientiertes Konzept mit Tacos, Nachos, Tequila-Angeboten und eigenen Cocktails hinzu.
Dass besondere Cocktails dabei einen größeren Stellenwert erhalten, begründet AIDA ebenfalls mit Erfahrungen aus dem bisherigen Betrieb. Die Reederei beobachte, dass Gäste häufiger Getränke abseits der klassischen Standards ausprobieren wollten. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach alkoholfreien Cocktails deutlich gestiegen.
Auch das Theatrium soll deutlich verändert und neu möbliert werden. Eine Hemingway Lounge schafft einen ruhigeren Rückzugsbereich, während das Casino kleiner ausfällt und modernisiert wird.
Für Familien entstehen im Four Elements weitere Angebote. Ein großes Spiel- und Kletternetz ersetzt den bisherigen klassischen Kletterbereich und soll von mehr Gästen gleichzeitig genutzt werden können. Hinzu kommen ein Minigolfplatz auf Deck 16 sowie im Beach Club eine Mini-Spielecke und ein eigener Bereich für Babys.
Mehr als 30 technische Einzelprojekte
Der Werftaufenthalt dient zugleich der Erneuerung von Technik und Ausstattung. AIDA plant mehr als 30 Einzelmaßnahmen. Bei AIDAperla steht nach rund zehn Jahren zudem eine turnusmäßige Klassenerneuerung an.
Unter anderem erhält das Schiff einen neuen biozidfreien Unterwasseranstrich, der den Strömungswiderstand verringern und damit den Treibstoffverbrauch reduzieren soll. Auch die Antriebe werden überholt. In den Hotelbereichen ersetzt AIDA technische Ausstattung und Küchengeräte durch modernere, energieeffizientere Systeme. Die Lanai Bar bekommt ein neues Dach.
Ein Teil der ausgebauten Materialien soll anschließend weiterverwendet oder recycelt werden. Das betrifft beispielsweise Teppiche und Matratzen. Noch nutzbare Möbel will AIDA nicht entsorgen, sondern gemeinsam mit Partnern einer weiteren Nutzung zuführen.
Gästefeedback entscheidet über neue Konzepte
Eine wichtige Grundlage für die Entscheidungen bildet nach Darstellung der Reederei das Gästefeedback. AIDA verweist auf umfangreiche NPS-Befragungen, deren Beantwortung etwa 15 bis 18 Minuten dauere. Die Ergebnisse würden auf Wochen‑, Monats‑, Quartals- und Jahresebene ausgewertet. Hinzu kommen Rückmeldungen von Vertriebspartnern.
Die Entwicklung neuer Konzepte beschränkt sich allerdings nicht vollständig auf das eigene AIDA‑Umfeld. Nach Angaben der Reederei beobachtet das Unternehmen auch neue Schiffe und Ideen anderer Marken im Carnival-Konzern und prüft, welche Ansätze zum deutschen Markt passen könnten. Zusätzlich fließen Erkenntnisse aus einer Zukunftsstudie ein, etwa zur wachsenden Bedeutung von Gesundheit, Ernährung oder alkoholfreien Getränken. Ausschlaggebend bleibe jedoch das Feedback der eigenen Gäste und Vertriebspartner.
Für AIDAnova und AIDAcosma kündigte die Reederei zunächst kein vergleichbares Evolution-Programm an. Auch bei diesen Schiffen werde die Entwicklung der Gästewünsche kontinuierlich beobachtet. Konkrete Pläne, die derzeit kommuniziert werden könnten, gebe es jedoch noch nicht.
AIDAperla startet nach dem Werftaufenthalt am 2. Mai 2027 zu einer zehntägigen Kreuzfahrt ab und bis Mallorca, die unter anderem nach Korsika, Sardinien, Neapel, La Spezia, Civitavecchia und Barcelona führt. AIDAprima soll am 21. Mai 2028 nach ihrem Umbau ebenfalls ab Mallorca zu ihrer ersten Reise starten.











