Der neue CLIA-Report zeigt: Die Hochseekreuzfahrt wächst weltweit weiter. Deutschland legt überdurchschnittlich zu und behauptet seine Position als zweitgrößter Quellmarkt nach den USA.
37,2 Millionen Menschen haben 2025 weltweit eine Hochseekreuzfahrt unternommen. Besonders stark zeigt sich der deutsche Markt: Mit 2,8 Millionen Passagieren liegt Deutschland international auf Rang zwei – hinter den USA und vor Großbritannien/Irland, Australien, Kanada und Italien.
Weltmarkt erreicht neuen Höchststand
Die Kreuzfahrtbranche bleibt auf Wachstumskurs. Nach dem aktuellen „State of the Cruise Industry Report 2026“ der Cruise Lines International Association (CLIA) stieg die Zahl der Hochseekreuzfahrtgäste 2025 weltweit um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht. Deutschland legte im selben Zeitraum um zehn Prozent zu – und wuchs damit stärker als der globale und der europäische Markt.
Während die USA mit 20,6 Millionen Passagieren weiterhin den Weltmarkt dominieren, bleibt Deutschland der stärkste europäische Einzelmarkt. Aus Europa kamen 2025 insgesamt 8,9 Millionen Hochseekreuzfahrtgäste, 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die deutschen Zahlen stehen damit nicht nur für eine hohe Nachfrage, sondern auch für einen reifen Reisemarkt, in dem Kreuzfahrten längst fest etabliert sind.
Deutsche Gäste prägen wichtige Fahrtgebiete
Die wichtigsten Zahlen aus deutscher Sicht
- 37,2 Millionen Hochseekreuzfahrtgäste weltweit im Jahr 2025
- 2,8 Millionen Kreuzfahrtgäste aus Deutschland
- Deutschland ist zweitgrößter Quellmarkt der Welt
- Plus zehn Prozent gegenüber 2024
- Europa insgesamt: 8,9 Millionen Kreuzfahrtgäste
- Deutschland ist wichtigster Quellmarkt für Nordeuropa-Kreuzfahrten außerhalb des Mittelmeers
- Rund 42 Millionen Hochseekreuzfahrtgäste weltweit bis 2029 erwartet
Besonders deutlich wird die deutsche Bedeutung bei einzelnen Fahrtgebieten. Bei Kreuzfahrten in Nordeuropa außerhalb des Mittelmeers ist Deutschland laut CLIA der wichtigste Quellmarkt: 45,7 Prozent der Gäste in dieser Region stammen aus Deutschland. Auch bei Reisen nach Afrika und in den Nahen Osten lag Deutschland 2025 mit 21,8 Prozent an erster Stelle.
Dieser Wert ist allerdings als Momentaufnahme vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten zu lesen: Für 2026 dürfte die Entwicklung in dieser Region wegen des Iran-Kriegs, veränderter Sicherheitslagen und möglicher Routenanpassungen nur eingeschränkt mit dem Vorjahr vergleichbar sein. Für deutsche Gäste bleibt der Befund dennoch relevant, weil starke Nachfrage in der Regel mehr Auswahl bei Routen, Abfahrtsterminen, Schiffen und Preismodellen ermöglicht.
Das Mittelmeer bleibt zugleich eines der wichtigsten Fahrtgebiete der Welt. 2025 reiste etwa jeder sechste Hochseekreuzfahrtgast weltweit in dieser Region. Für deutsche Urlauber bleibt das attraktiv, weil viele Reisen ohne Langstreckenflug erreichbar sind – etwa über Einschiffungshäfen in Italien, Spanien, Frankreich oder Griechenland. Nordeuropa wiederum profitiert von kurzen Anreisewegen, teils ab deutschen Häfen oder mit gut erreichbaren Abfahrtshäfen in Nachbarländern.
Warum Kreuzfahrten weiter gefragt sind
Der Nutzwert der Kreuzfahrt zeigt sich im Report ebenfalls klar. Als wichtigsten Grund für eine Kreuzfahrt nennen Reisende die Möglichkeit, mehrere Ziele in einer einzigen Reise zu verbinden.
Hinzu kommt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine Kreuzfahrt bündelt Transport, Unterkunft, Gastronomie und Routenplanung in einem Produkt – und reduziert damit die organisatorische Komplexität einer Reise deutlich.
Auffällig ist auch, wie stark Kreuzfahrten zusätzliche touristische Nachfrage an Land auslösen. Laut CLIA verbringen 64 Prozent der Kreuzfahrtgäste mindestens eine Nacht vor oder nach der Reise in der Hafenstadt. Für Reisende kann das die Reise entspannen: Wer früher anreist, reduziert das Risiko bei Flug- oder Bahnverspätungen und gewinnt zugleich Zeit für eine Städtereise vor oder nach der Kreuzfahrt. Für Hafenstädte, Hotellerie und Gastronomie entsteht dadurch zusätzliche Wertschöpfung.
Die hohe Zufriedenheit der Gäste ist ein weiterer Stabilitätsfaktor. Rund 90 Prozent der befragten früheren Kreuzfahrtgäste wollen wieder eine Kreuzfahrt unternehmen. Gleichzeitig zeigen sich auch viele Nicht-Kreuzfahrer offen: 75,6 Prozent der Befragten, die noch nie auf Kreuzfahrt waren, können sich ihre erste Reise auf See vorstellen. Die Branche wächst damit nicht allein über Stammkunden, sondern erreicht weiterhin neue Zielgruppen.
Mehr Schiffe, neue Technik, hohe wirtschaftliche Wirkung
Parallel baut die Branche ihre Kapazitäten aus. Die CLIA-Mitgliedsreedereien verfügen 2026 über 327 Hochseeschiffe; erstmals war die Marke von 300 Schiffen bereits 2024 überschritten worden. Bis 2037 umfasst das Orderbuch 60 weitere Hochseeschiffe mit rund 193.000 zusätzlichen unteren Betten. Gleichzeitig verweist der Report auf eine technologische Entwicklung: Im Frühjahr 2026 sind 57 Prozent der bestellten Schiffe mit Multi-Fuel-Fähigkeit geplant. Das bedeutet nicht automatisch klimaneutrale Kreuzfahrten, zeigt aber, dass Neubauten stärker auf flexible Antriebskonzepte und künftige Kraftstoffoptionen vorbereitet werden.
Auch wirtschaftlich bleibt die Kreuzfahrt ein bedeutender Faktor. Für 2024 beziffert die CLIA den weltweiten wirtschaftlichen Gesamteffekt der Kreuzfahrt auf 198,8 Milliarden US-Dollar. Das sind 18 Prozent mehr als 2023 und 29 Prozent mehr als 2019. Unterstützt wurden demnach 1,8 Millionen Arbeitsplätze. Nordamerika und Europa stehen zusammen für drei Viertel dieser Effekte. Damit ist die Kreuzfahrt nicht nur ein touristisches Produkt, sondern ein relevanter Wirtschaftsfaktor für Häfen, Werften, Reisebüros, Hotels, Gastronomie und zahlreiche Zulieferer.















