Der Markt für Flusskreuzfahrten zieht neue Anbieter an. Explora Journeys hat am Donnerstag eine Absichtserklärung mit der niederländischen Den Breejen Shipyard über den Bau einer eigenen Flussflotte bestätigt. Der Verkauf der ersten Reisen soll 2027 beginnen. Angaben zur Zahl und Größe der Schiffe, zu Auslieferungsterminen und Routen macht die Luxusmarke der MSC Group noch nicht.
Celebrity Cruises ist bereits einen Schritt weiter. Die Royal Caribbean Group baut mit Celebrity River Cruises eine neue Flusssparte auf und hat sich auf insgesamt 20 Schiffe festgelegt. Die ersten beiden Flusskreuzer sollen 2027 starten, der Aufbau der Flotte ist bis 2031 vorgesehen.
Damit drängen innerhalb kurzer Zeit zwei große Namen aus der Hochseekreuzfahrt in einen Markt, der gerade im Premiumsegment Wachstum verspricht. Gleichzeitig treffen die Investitionen auf ein Betriebsrisiko, das sich technisch nur begrenzt beherrschen lässt: Niedrigwasser.
Niedrigwasser bis in den Herbst
Noch Ende September beeinträchtigt Niedrigwasser den Reisebetrieb auf der Donau. Eine für den 22. September geplante Reise mit Maxima beziehungsweise Belvedere wurde kurzfristig abgesagt. Auch die für den 27. September bis 8. Oktober vorgesehene Reise mit der Maxima findet nach Informationen von CRUCERO nicht statt.
Die Wasserstände bleiben niedrig. Viadonau meldete am Nachmittag des 24. September an der Furt Schwallenbach in der Wachau eine Mindesttiefe von 1,96 Metern im gekennzeichneten Fahrwasser. Die Werte ändern sich mit den Pegelständen und werden laufend aktualisiert.
Niedrigwasser ist für die Flussschifffahrt kein neues Phänomen. Ein aktuelles Faktenpapier, das jetzt auf dem ExtremWetterKongress in Hamburg vorgestellt wurde, beschreibt jedoch eine Veränderung. Lang anhaltende Niedrigwasserperioden habe es auch früher gegeben, ihre Ursachen und ihr zeitliches Auftreten hätten sich aber verschoben. Früher entstanden solche Situationen durch Eis und Schnee häufiger im Winter. Heute treten sie zunehmend im Sommer und Herbst auf und beginnen tendenziell früher im Jahr. Als Ursache nennt der Bericht Veränderungen des hydrologischen Systems durch den Klimawandel.
Für die Flusskreuzfahrt liegt darin das eigentliche Risiko. Rhein und Donau werden nicht dauerhaft unbefahrbar. Problematische Niedrigwasserphasen können aber häufiger und stärker ausfallen – und gerade in die touristisch wichtige warme Jahreszeit fallen.
Das Faktenpapier formuliert die Perspektive deutlich: Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels müsse künftig mit häufigeren und stärker ausgeprägten Niedrigwasserereignissen gerechnet werden. Niedrige Pegel verringern nicht nur die verfügbare Wassertiefe, sondern auch die Breite der Fahrrinne und damit die Befahrbarkeit.
Technik kann nur begrenzt helfen
Die Schiffe lassen sich darauf auslegen. Das Faktenpapier nennt ein geringeres Leergewicht, veränderte Hauptabmessungen sowie eine für geringere Wassertiefen optimierte Propulsion. Auch Propellerdurchmesser und Hinterschiffsform beeinflussen die Niedrigwassertauglichkeit. Die Autoren sprechen allerdings ausdrücklich von Möglichkeiten, die Folgen von Niedrigwasser zu kompensieren – nicht davon, das Problem technisch zu beseitigen.
Für die neuen Anbieter wird deshalb auch entscheidend sein, wie sie ihre Schiffe konstruktiv auf geringe Wasserstände vorbereiten. Explora macht bislang keine Angaben zu Tiefgang, Abmessungen oder Antrieb seiner geplanten Flussschiffe. Gerade bei einem Luxusprodukt sind einer Gewichtsreduzierung zudem praktische Grenzen gesetzt: Großzügige Suiten, Restaurants, technische Anlagen und hoher Komfort bringen Gewicht und Platzbedarf mit sich.
Celebrity versucht zugleich, sein Flussangebot über die eigentliche Schiffsreise hinaus zu erweitern. Für die Reisen werden Vor- und Nachprogramme in Prag, Budapest, Amsterdam und Lausanne angeboten. Sie verbinden Hotelaufenthalte, Transfers und Programme an Land mit der Kreuzfahrt.
Solche Angebote können das Gesamtprodukt vor allem für Gäste aufwerten, die für ihre Flussreise aus Übersee nach Europa kommen. Als Niedrigwasserkonzept weist Celebrity sie allerdings nicht aus. Fällt während einer Reise ein wesentlicher Abschnitt auf dem Schiff aus, lässt sich das eigentliche Produkt nur begrenzt ersetzen. Busfahrten, ein Schiffstausch oder zusätzliche Hotelübernachtungen halten eine Reise möglicherweise organisatorisch aufrecht, verändern aber das gebuchte Erlebnis.
Gerade im Premium- und Luxussegment gewinnt dieser Punkt an Bedeutung. Je stärker eine Marke ein durchgängiges hochwertiges Reiseerlebnis verspricht, desto schwieriger dürfte es sein, erhebliche Änderungen des Reiseverlaufs als gleichwertigen Ersatz zu vermitteln.
Für etablierte Flussreiseanbieter gehören wechselnde Wasserstände seit Jahren zur Betriebsplanung. Neue Anbieter müssen nicht nur möglichst niedrigwassertaugliche Schiffe entwickeln. Sie brauchen Ausweichhäfen, Ersatzprogramme und Lösungen für den Fall, dass einzelne Strecken nicht mehr befahrbar sind. Gerade für Celebrity und Explora wird sich zeigen, wie gut sich ein Premiumprodukt unter diesen Bedingungen zuverlässig betreiben lässt.











