Die niedrigen Wasserstände beeinträchtigen zunehmend den Betrieb der Flusskreuzfahrtanbieter. Viele Reisen finden weiterhin statt, weichen aber teilweise erheblich vom ausgeschriebenen Programm ab. Häfen entfallen, Ein- und Ausschiffungsorte werden verlegt, Gäste mit Bussen transportiert und Schiffe kurzfristig getauscht.
Wie angespannt die Lage auf einzelnen Flussabschnitten ist, zeigen zwei Vorfälle im Juli. Die „Thurgau Gold“ fuhr sich am 16. Juli auf dem Rhein bei Bonn fest und musste freigeschleppt werden. Am 28. Juli lief die „Viking Ullur“ auf der Donau nahe der bulgarischen Stadt Vidin auf Grund. Die bulgarische Grenzpolizei brachte die 186 Passagiere an Land. Verletzte gab es in beiden Fällen nicht.
Ein flächendeckender Stillstand der Flusskreuzfahrt ist daraus derzeit nicht abzuleiten. Die Stellungnahmen der Veranstalter zeigen jedoch, dass der organisatorische Aufwand wächst und die planmäßige Durchführung auf den zentralen mitteleuropäischen Flüssen schwieriger wird.
Anbieter ändern Routen und tauschen Schiffe
Phoenix Reisen bietet Gästen bereits gebuchter Flusskreuzfahrten auf Donau, Rhein und Mosel mit Abfahrt bis einschließlich 12. August 2026 eine kostenfreie Umbuchung an. Reisen in Holland und Belgien sind davon ausgenommen. Nach Angaben des Unternehmens entscheiden häufig wenige Zentimeter darüber, ob ein Streckenabschnitt noch passiert werden kann. Kurzfristige Routen- oder Schiffsänderungen seien deshalb nicht auszuschließen.
Phoenix empfiehlt Gästen, im persönlichen Portal „Mein Phoenix“ ihre aktuelle E‑Mail-Adresse und Mobilfunknummer zu hinterlegen. Der Veranstalter will betroffene Gäste oder deren Reisebüros unaufgefordert informieren, sobald Änderungen feststehen.
A‑ROSA prüft nach eigenen Angaben jeden Reiseabschnitt tagesaktuell. Das Unternehmen stehe dazu im Austausch mit den Hafenbehörden und Wasserwirtschaftsämtern entlang der Routen. Auch bei niedrigen Pegeln seien Kreuzfahrten grundsätzlich möglich. Ab einem bestimmten Wasserstand könne der vorgesehene Reiseverlauf jedoch nicht mehr eingehalten werden. Dann müssten Routen sowie Ein- oder Ausschiffungshäfen angepasst werden.
VIVA Cruises bestätigt gegenüber CRUCERO Einschränkungen auf Donau, Rhein, Main und Mosel. Der Rhein nördlich von Düsseldorf sei weiterhin befahrbar. Planmäßig verkehren demnach auch die Schiffe auf Seine, Rhône und Douro, auf den regulierten Kanälen Norddeutschlands sowie entlang der Ostseeküste.
Auf den betroffenen Flüssen kam es laut VIVA Cruises innerhalb von zwei Wochen zu zahlreichen Änderungen bei Fahrplänen und Liegeplätzen. Bei erheblichen Abweichungen passe das Unternehmen die Ausflugsprogramme an und biete diese als Anerkennung für die Flexibilität der Gäste kostenfrei an.
Bei mehreren Reisen setzte VIVA andere baugleiche Schiffe aus der Scylla-Flotte ein. Absagen ließen sich dennoch nicht vollständig vermeiden: Die für den 3. August geplante Reise von Straßburg nach Düsseldorf kann wegen des weiter sinkenden Rheinpegels und fehlender geeigneter Liegeplätze nicht durchgeführt werden. Die Gäste erhielten Umbuchungsangebote.
Bei wesentlichen Änderungen bietet VIVA einen Wechsel auf Reisen in derzeit besser planbaren Fahrtgebieten an. Möglich seien auch spätere Termine im weiteren Verlauf des Jahres 2026 oder im Jahr 2027. Alternativ könnten betroffene Gäste eine Rückerstattung erhalten.
Nach Angaben des Veranstalters verlieren einzelne Pegel derzeit innerhalb eines Tages bis zu 20 Zentimeter. VIVA veröffentlicht deshalb auf der Seite „Aktuelle Informationen“ jeweils den Status der nächsten beiden Abfahrten seiner Schiffe:
Bei Nicko Cruises mussten drei Donaukreuzfahrten zum Schwarzen Meer vollständig abgesagt werden. Auf anderen Reisen reagiert das Unternehmen je nach Lage mit veränderten Routen und Fahrplänen, Schiffswechseln oder Transfers. Schiffe, die wegen der Wasserstände nicht bis zum Schwarzen Meer fahren können, sollen teilweise als Ersatz auf anderen Routen eingesetzt werden.
Kritische Monate stehen noch bevor
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde bezeichnet die gegenwärtige Niedrigwasserlage als ungewöhnlich früh und regional extrem. Am Donaupegel Hofkirchen wurde am 29. Juli mit 155 Zentimetern der dort bislang niedrigste bekannte Wasserstand registriert.
Am Rheinpegel Kaub wurden am Morgen des 31. Juli zeitweise 25 Zentimeter gemessen. Damit war der bisherige Tiefstwert vom Oktober 2018 erreicht. Die amtliche Abschätzung sah für den 4. August zeitweise nur noch 24 Zentimeter vor. Der Pegelstand entspricht nicht unmittelbar der tatsächlich verfügbaren Fahrrinnentiefe, gilt aber als wichtiger Anhaltspunkt für die Schifffahrt.
Für das Wochenende werden am Alpenrand und südlich der Donau örtlich kräftige Gewitter und Starkregen erwartet. Eine nachhaltige Verbesserung lässt sich daraus bislang nicht ableiten. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde geht davon aus, dass regionale Schauer nur zu einem kurzen Anstieg einzelner Wasserstände führen können. Insgesamt überwiege weiterhin die fallende Tendenz.
Für eine deutliche Erholung wären wiederholte und flächige Niederschläge in großen Teilen der Einzugsgebiete nötig. Regen allein in den unmittelbaren Quellregionen genügt nicht. Für den Rhein spielen unter anderem Zuflüsse aus dem Alpenraum, dem Schwarzwald sowie dem Neckar‑, Main- und Moselgebiet eine Rolle. Die Wasserführung der Donau hängt neben dem Oberlauf wesentlich von Zuflüssen wie Inn, Isar und Lech ab.
Hinzu kommt die saisonale Entwicklung. September und Oktober sind an den untersuchten mitteleuropäischen Bundeswasserstraßen im langjährigen Verlauf regelmäßig die Monate mit den niedrigsten Abflusskoeffizienten. Die hydrologisch häufig kritischste Zeit des Jahres liegt damit noch vor den Anbietern. Das ist keine konkrete Vorhersage für den Herbst 2026, erhöht aber das Risiko, falls sich die Wetterdynamik in den kommenden Wochen nicht grundlegend ändert.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie lange die Veranstalter die Einschränkungen durch Ersatzschiffe und alternative Routen auffangen können. Ohne flächige und ergiebige Niederschläge dürfte die Planbarkeit auf Rhein und Donau bis in den August hinein angespannt bleiben. Sollte sich die Wetterlage anschließend nicht grundlegend ändern, könnten die saisonal niedrigen Herbstabflüsse den Betrieb zusätzlich belasten.















