Orient Express hat in Saint-Nazaire die „Orient Express Corinthian“ taufen lassen. Das 220 Meter lange Schiff gilt nach Angaben des Unternehmens derzeit als größte Segelyacht der Welt und fährt unter französischer Flagge. Die Zeremonie fand am 29. April 2026 im Joubert-Trockendock statt, einem historischen Ort des französischen Schiffbaus. Am 2. Mai soll das Schiff Saint-Nazaire verlassen und Kurs auf die Côte d’Azur nehmen, bevor es in seine erste Mittelmeersaison startet.
Die Orient Express Corinthian ist ein gemeinsames Projekt von Orient Express und Chantiers de l’Atlantique. Das 15.000 Tonnen schwere Schiff verbindet luxuriöses Reisen mit neuer Segeltechnologie und französischer Handwerkskunst. Laurent Castaing, Vorstandschef von Chantiers de l’Atlantique, sprach von einem Ergebnis aus zehn Jahren Forschung und Entwicklung. Mit ihren drei SolidSail-Segeln gebe die Yacht eine technische Antwort auf die Herausforderungen der Dekarbonisierung im Seeverkehr.
Auch Accor-Chef Sébastien Bazin betonte den Anspruch der Marke Orient Express. Das Schiff stehe für Entdeckung, Entschleunigung, Exzellenz und Eleganz. Mit Segelantrieb, seltenen Materialien und einem Angebot für ein internationales Publikum habe das Projekt zugleich eine industrielle, architektonische und künstlerische Herausforderung erfüllt.
Segeltechnik im Großformat
Die Orient Express Corinthian ist das erste Kreuzfahrtschiff mit dem von Chantiers de l’Atlantique entwickelten SolidSail-Windantrieb. Die drei Riggs tragen jeweils 1.500 Quadratmeter Segelfläche und ragen mehr als 320 Fuß hoch auf. Sie arbeiten vollautomatisch und können sich um 360 Grad drehen. Unter günstigen Bedingungen soll das Schiff vollständig unter Segeln fahren können.
Die Kohlefasermasten lassen sich bis zu 70 Grad neigen, damit die Yacht große Brücken passieren kann. Bei Probefahrten im Februar 2026 erreichte das Schiff bei 20 Knoten Wind eine Geschwindigkeit von 12 Knoten allein unter Segeln. Für ein Schiff dieser Größe sei dies eine Premiere.
Ergänzt wird der Segelantrieb durch eine hybride LNG-Propulsion und weitere Maßnahmen zur Energieeffizienz. Nach Angaben der Unternehmen erreicht die Orient Express Corinthian den besten EEDI-Wert ihrer Klasse. Ein KI-gestütztes Erkennungssystem soll Meeressäuger und Objekte im Wasser erfassen. Dynamische Positionierung soll das Ankern vermeiden und den Meeresboden schonen.
54 Suiten und erste Saison im Mittelmeer
Mit der Orient Express Corinthian knüpft Orient Express an die Tradition großer französischer Schiffe an. Die Taufe fand ein Jahrhundert nach dem Stapellauf der Île-de-France statt und in jenen Werften, aus denen auch die Normandie hervorging. Die Innenräume greifen Motive aus der goldenen Ära des Reisens, des Orient-Express-Zugs und der großen Ozeandampfer auf. Architekt Maxime d’Angeac entwickelte als Creative Director von Orient Express die gestalterische Linie. Rund 2.000 Handwerker, Künstler und Ateliers arbeiteten an dem vollständig in Frankreich gebauten Schiff.
An Bord befinden sich 54 Suiten auf vier Decks. Sie sind zwischen 45 und 230 Quadratmeter groß. Jede Suite verfügt über ein 3,60 Meter breites Panoramafenster. Leder, Edelhölzer und Marmor prägen die Ausstattung. Für jede Kabine steht ein Butler bereit.
Das gastronomische Angebot umfasst fünf Restaurants und private Speiseräume unter der kulinarischen Leitung von Yannick Alléno. Acht Bars, darunter ein Art-déco-Speakeasy, ein Cabaret mit 115 Plätzen und ein Aufnahmestudio ergänzen das Angebot. Hinzu kommen ein Guerlain-Spa, eine 16,5 Meter lange Schwimmbahn, ein Pool und eine Marina. Das Angebot an Bord folgt einem All-inclusive-Konzept.
Von Mai bis Oktober 2026 fährt die Orient Express Corinthian im Mittelmeer und in der Adria. Im Herbst überquert sie den Atlantik, um den Winter in der Karibik zu verbringen. Für 2027 kündigt Orient Express neue Routen im östlichen Mittelmeer und in Nordeuropa an. Die Reisen dauern eine bis vier Nächte und lassen sich nach Angaben des Unternehmens miteinander kombinieren.
Während die Orient Express Corinthian ihre erste Saison vorbereitet, befindet sich ihr Schwesterschiff „Orient Express Olympian“ bereits am Penhoët-Kai in Saint-Nazaire in der Ausrüstung. Es war am 17. April 2026 zu Wasser gelassen worden.
Zu den wichtigsten technischen Daten zählen rund 220 Meter Länge, 25 Meter Breite und eine Geschwindigkeit von 12 Knoten unter Motor oder Segeln. Das Schiff bietet Platz für 110 Gäste in 54 Suiten sowie für 170 Besatzungsmitglieder. Die Segelfläche beträgt rund 4.506 Quadratmeter. Nach Unternehmensangaben vermeidet das Konzept jährlich 9.000 Tonnen CO2-Emissionen.

















