Für Xiao Wang ist die offene Küche der Mittelpunkt des neuen panasiatischen Restaurants auf der MSC World Asia. „Sie fühlt sich wie eine Bühne an, auf der die Köche auftreten – die Woks und Messer sind unsere Instrumente“, sagt er. Luca Cesarini denkt bei dem Konzept vor allem an die Straßen von Bangkok: an intensive Gerüche, das Stimmengewirr der Märkte und die Energie der Garküchen.
Beide Köche sind auch über das neue Restaurant hinaus für die gastronomische Entwicklung bei MSC Cruises tätig. Wang arbeitet an der strategischen Weiterentwicklung der asiatischen Küche an Bord, Cesarini als Culinary Corporate Chef an unterschiedlichen Konzepten der Reederei. Für die MSC World Asia haben sie ihre Erfahrungen in einem konkreten Projekt zusammengeführt.
Das neue 3‑in-1-Konzept verbindet ein Spezialitätenrestaurant mit Bar und Lounge sowie einem tagsüber geöffneten, im Reisepreis enthaltenen To-Go-Angebot. Gerichte, Getränke, Musik, Design und Live-Cooking sollen die Atmosphäre südostasiatischer Streetfood-Märkte aufnehmen.
„Wir wollten das Gefühl vermitteln, auf den Straßen Asiens zu essen: aromatisch und lebendig“, sagt Wang. Cesarini beschreibt die Idee als „unkompliziertes, entspanntes Restaurant“, in dem kräftige Aromen und Gerichte zum Teilen im Vordergrund stehen: „Nichts Kompliziertes oder Ausgefallenes – einfach köstliches Essen, gute Getränke und Gerichte, die die Menschen teilen und wegen derer sie wiederkommen möchten.“
Xiao Wang: Von Shanghai über Berlin und Hamburg zur MSC World Asia
Xiao Wang wurde 1981 in Shanghai geboren, einen wesentlichen Teil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte er jedoch in Deutschland. Zu seinen Stationen gehörten das Tokyo Haus und das Sakura in Berlin, das Shiki in Hamburg sowie das Hotel Esperanto und das Resort Sieben Welten in Fulda.
Später verantwortete er als Corporate Chef die kulinarische Ausrichtung von mehr als 40 asiatischen Restaurants in Deutschland und weiteren internationalen Märkten. Seine Arbeit führte ihn unter anderem nach Österreich, Italien, in die Türkei, nach Dubai und China. Auch für internationale Hotelgruppen wie Marriott und Jumeirah war Wang tätig.
Vom Küchenanfang zum Teppanyaki-Meister
Seine Karriere begann mit den grundlegendsten Aufgaben einer Restaurantküche. „Ich habe ganz unten angefangen und jede Arbeit in der Küche übernommen“, erinnert er sich. „Ich habe Geschirr gespült, Gemüse geputzt, Fleisch geschnitten und Fisch vorbereitet. Dieses Fundament ist mir geblieben.“
Später arbeitete Wang an Streetfood-Ständen ebenso wie bei Veranstaltungen auf Michelin-Niveau. Er eröffnete Restaurants, entwickelte gastronomische Konzepte und bildete Küchenteams in Europa und Asien aus. „Diese Erfahrungen und die Menschen, denen ich auf meinem Weg begegnet bin, haben meine Wertschätzung für Zutaten, Techniken und Authentizität geprägt.“
Wang trägt den offiziellen Titel Teppanyaki-Meister. Die Ausbildung absolvierte er bei der Japan Teppanyaki Association in Japan. Sein Lehrmeister war der japanische Sushi-Meister Hiro Okamoto, früher Küchenchef des Nobu Berlin.
„Er brachte mir Disziplin, Präzision und Respekt vor der japanischen Küche bei – Lektionen, die mich während meiner gesamten Laufbahn begleitet haben“, sagt Wang.
Von unterschiedlichen Köchen zu lernen, gehört bis heute zu seinem Selbstverständnis. „Jeder Koch kann einem etwas Besonderes vermitteln.“ Wenn er dennoch einen einzelnen Lehrmeister hervorheben müsse, sei es Hiro Okamoto.
Ein weiterer wichtiger Schritt folgte 2016: Wang gehörte zum Trainerteam der chinesischen Nationalmannschaft bei der Kocholympiade. „Das hat mich auf ein anderes Niveau gebracht“, sagt er. Im selben Jahr begann auch seine Zusammenarbeit mit MSC Cruises, zunächst als Berater. Seit 2025 ist er fest in die kulinarische Struktur der Reederei eingebunden.
Ein Menü als Reise durch Asien
Seine Reisen hätten ihm gezeigt, wie eng Küche, Klima und Kultur miteinander verbunden seien. „Genau deshalb ist die asiatische Küche so vielfältig“, erklärt Wang. Zugleich habe sie immer wieder Techniken und Ideen aus anderen Teilen der Welt aufgenommen.
„Für mich geht es um die Balance: Traditionen zu respektieren und sie gleichzeitig mit einem weltweiten Publikum zu teilen und neu zu interpretieren.“
Für das neue Restaurant wollten die Köche deshalb keine beliebige Zusammenstellung populärer asiatischer Speisen entwickeln. „Die MSC World Asia gab uns die Möglichkeit, etwas wirklich Bedeutungsvolles zu schaffen“, sagt Wang. „Das Menü ist als Reise angelegt. Jedes Gericht steht für einen anderen Ort, eine andere Kultur und eine andere Geschichte.“
Die Auswahl orientiert sich insbesondere an den Küchen Indonesiens, Singapurs, Südchinas, Thailands und Vietnams. Vorgesehen sind unter anderem Fischküchlein, Satay-Spieße, Currys, gebratener Reis, Bao Buns und verschiedene Wok-Gerichte.
Für Wang hängt die Glaubwürdigkeit der Speisen wesentlich von den verwendeten Produkten ab. Noch vor 30 Jahren sei es in Europa schwierig gewesen, zahlreiche asiatische Zutaten und Saucen in der notwendigen Qualität zu beschaffen.
„Heute können wir bekommen, was wir benötigen, um den ursprünglichen Aromen treu zu bleiben.“
Ebenso wichtig seien die Menschen, die am Herd stehen. „Viele unserer Köche kommen aus Asien und bereiten Gerichte zu, mit denen sie selbst aufgewachsen sind. Das schafft eine Authentizität, die man wirklich spüren kann.“
Auf Reisen sucht Wang gezielt jene Orte auf, an denen die lokale Bevölkerung isst. „Ich halte nach gut besuchten Streetfood-Ständen Ausschau und probiere die Gerichte, mit denen die Menschen aufgewachsen sind.“
Auch das Klima prägt für ihn den Geschmack einer Region. Die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit Südostasiens begünstigten eine große Vielfalt frischer Produkte und Kräuter. Zugleich erklärten sie, weshalb saure, scharfe und erfrischende Aromen in vielen Gerichten eine besondere Rolle spielten.
„Jedes Gericht auf der Karte spiegelt die Zutaten, die Kultur und die Traditionen des Ortes wider, von dem es stammt“, sagt Wang. „Mein Ziel ist, dass die Gäste das Restaurant betreten, das Essen riechen und sofort dieselbe Energie spüren: lebendig, authentisch und einladend.“
Gebratener Reis als persönliche Erinnerung
Wie eng Essen und persönliche Erinnerungen miteinander verbunden sein können, zeigt sich für Wang an einem vergleichsweise einfachen Gericht: gebratenem Reis mit Garnelen.
„Reis war in der asiatischen Kultur schon immer sehr wichtig. Fast jede Familie in Asien kennt dieses Gericht und bereitet es zu“, sagt er. Garnelen seien in seiner Kindheit dagegen etwas Besonderes gewesen. „Wir hatten sie normalerweise nur an Feiertagen oder zu Feiern. Deshalb bedeutet mir dieses Gericht viel.“
Heute kocht er den Garnelenreis auch für seinen Sohn. „Er mag sein Schulessen nicht immer, deshalb bereite ich ihm häufig gebratenen Reis mit Garnelen zu, den er mit in die Schule nimmt.“
Für den ersten Besuch im neuen Restaurant empfiehlt Wang Fischküchlein als Vorspeise, anschließend gebratenen Reis mit Huhn und zum Abschluss Mango-Pomelo-Sago. Dazu passe ein Bubble Tea, den er als moderne Ausdrucksform der asiatischen Teekultur versteht.
Bei der Frage nach dem Aroma, auf das er niemals verzichten könnte, benötigt Wang dagegen keine lange Erklärung: „Scharf – ohne Frage.“
Luca Cesarini: italienische Wurzeln, geprägt von Bangkok und Shanghai
Luca Cesarinis Leidenschaft fürs Kochen begann im Kreis seiner Familie. Besonders seine Tante in Bologna habe ihm vor Augen geführt, wie Essen Menschen zusammenbringen könne.
„Die Leidenschaft, mit der sie gekocht hat, spielte für meinen Weg eine große Rolle“, sagt Cesarini. „Dieses ursprüngliche Gefühl – für Menschen zu kochen und Verbindungen zu schaffen – steht noch immer im Zentrum meiner Arbeit.“
Seine Laufbahn führte ihn früh weit über Italien hinaus. Bereits im Alter von 21 Jahren wurde Cesarini Executive Sous-Chef im Restaurant Il Palio in New York. Später arbeitete er unter anderem im St. Regis Shanghai, im Sukhothai Hotel in Bangkok, im Pelican Hill Resort in Kalifornien und im Jumeirah Vittaveli auf den Malediven.
2015 gewann Cesarini den Titel „Iron Chef Thailand“. Heute ist er als Culinary Corporate Chef für MSC Cruises tätig.
Bangkok und Shanghai als kulinarische Lehrmeister
„Jeder Ort und jede Küche haben etwas Neues hinzugefügt“, sagt Cesarini über seine internationale Laufbahn. Besonders prägend waren für ihn Bangkok und Shanghai. Beide Städte hätten seinen Blick auf Aromen, Produkte und gewachsene kulinarische Traditionen verändert.
„Das Leben und Arbeiten in Asien hat mich gelehrt, wie wichtig Balance, Klarheit und der Respekt vor authentischen Aromen sind“, sagt Cesarini. Gerichte sollten ihrer Herkunft treu bleiben und zugleich einen unkomplizierten Zugang ermöglichen.
Die Inspiration für das neue Restaurant fand er vor allem auf asiatischen Straßenmärkten. „Das Konzept wurde von den Märkten und den Gerichten inspiriert, die ich auf meinen Reisen entdeckt habe“, sagt er. „Die Karte sollte authentisch, entspannt und zum Teilen geeignet sein.“
Während seiner Reisen habe er immer wieder festgestellt, dass gerade einfache Speisen besonders lange in Erinnerung blieben. In Bangkok waren es kleine Marktstände mit gegrillten Satay-Spießen und Mango Sticky Rice. In Shanghai beeindruckten ihn frisch von Hand gezogene Nudeln und Lammspieße mit Kreuzkümmel.
„Ich erinnere mich noch daran, wie ich durch Bangkok lief und von den Gerüchen, dem Lärm und der Energie angezogen wurde“, sagt Cesarini. „Genau das wollten wir an Bord bringen.“
Bangkok habe viele der kräftigen und lebendigen Geschmacksbilder des Menüs geprägt. Shanghai stehe stärker für wärmende, unkomplizierte Gerichte, die sich gut teilen ließen.
Streetfood statt formeller Inszenierung
Besonders wichtig ist Cesarini, dass das Restaurant trotz seiner Einordnung als Spezialitätenrestaurant nicht steif oder förmlich wirkt. „Es geht um die Atmosphäre und die Ehrlichkeit des Essens“, sagt er. „Hier geht es nicht um formelles Dining, sondern um kräftige Aromen, eine unkomplizierte Küche und ein entspanntes Erlebnis, das sich echt anfühlt.“
Die Gäste sollen verschiedene Speisen bestellen, miteinander teilen und ohne komplizierte Abläufe genießen können. „Es ist die Art von Ort, an dem man unterschiedliche Gerichte probiert, sie teilt und einfach den Moment genießt.“
Vor allem die thailändischen Speisen auf der Karte verbindet Cesarini mit persönlichen Erinnerungen. „Sie erinnern mich an Bangkok und an die Freude, Essen mit Familie und Freunden zu teilen. Sie bringen die lebendige Streetfood-Kultur der Stadt und dieses Gefühl von Gemeinschaft zurück.“
Satay-Spieße und Currys stehen für ihn exemplarisch für die Idee des Restaurants: „einfache Zutaten, kräftige Aromen und Gerichte, die Menschen zusammenbringen sollen“.
Auf ein einzelnes unverzichtbares Aroma möchte sich Cesarini nicht festlegen. „Chili, Kaffirlimettenblätter, Ingwer und Zitronengras sind für mich alle unverzichtbar. Gemeinsam bringen sie Frische, Tiefe und Spannung in jedes Gericht.“
Cesarinis Vorstellung von einem vollkommenen kulinarischen Tag bleibt trotz seiner internationalen Karriere unkompliziert: guter Kaffee am Morgen, tagsüber ein Besuch auf lokalen Märkten und am Abend ein entspanntes Essen mit Familie und Freunden.
Auch außerhalb der beruflichen Küche bleibt Essen ein wichtiger Teil seines Alltags. Er reist, entdeckt neue Restaurants und Märkte, sucht nach Kochbüchern und kocht zu Hause gemeinsam mit seinen Kindern.
MSC World Asia startet im Dezember
Die MSC World Asia nimmt am 4. Dezember 2026 ihren Dienst auf und wird anschließend siebentägige Mittelmeer-Kreuzfahrten unternehmen. Das neue Flaggschiff verfügt über insgesamt 40 Bars, Lounges, Cafés und Restaurants – darunter auch das neue panasiatische Konzept, das Wang und Cesarini mitentwickelt haben.


















