Warum verlässt die Queen Anne bereits 2029 die Cunard-Flotte? Eine eindeutige Einzelbegründung nennt Carnival nicht. Paul Ludlow beschreibt den Wechsel vielmehr als Teil einer langfristigen Portfolioentscheidung. Seine Aussagen verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit: Ludlow ist Präsident von Carnival UK und P&O Cruises; im Zuge einer Restrukturierung übernahm er zusätzlich das Amt des Cunard-Präsidenten. Damit verantwortet er beide Kreuzfahrtmarken, zwischen denen die Queen Anne 2029 wechseln soll.
„Diese Entscheidungen spiegeln eine sorgfältige, langfristige Betrachtung unseres Portfolios wider und die Frage, wo die individuellen Stärken jedes Schiffes die Nachfrage der Gäste und die zukünftige Ausrichtung unserer beiden Kreuzfahrtmarken am besten unterstützen können“, erklärt Ludlow.
Die Queen Anne soll ihre Weltreise 2028/29 noch für Cunard absolvieren und anschließend zu P&O Cruises wechseln. Vor ihrem Einsatz bei der Schwestermarke ist ein umfangreicher Umbau vorgesehen; auch einen neuen Namen soll das Schiff erhalten. Weitere Einzelheiten will das Unternehmen später bekannt geben.
Ludlow sieht Eigenschaften der Queen Anne bei P&O Cruises
In seiner Begründung verweist Ludlow auffällig stark auf das Konzept der Queen Anne. Das Schiff sei als zeitgemäße Interpretation von Cunard entwickelt worden und verbinde die für die Marke typische Form des Service mit modernem Design, einem breiten gastronomischen und unterhaltenden Angebot sowie flexibel nutzbaren öffentlichen Räumen.
Ludlow über Queen Anne: „Natürliche Nähe“ zu P&O
Gerade darin sieht Ludlow offenbar die Verbindung zu P&O Cruises. „Diese Qualitäten verleihen ihr eine natürliche Nähe zum modernen Urlaubserlebnis von P&O Cruises“, sagt er. Nach der geplanten Umgestaltung werde das Schiff eine neue Schiffsklasse in die P&O-Cruises-Flotte einführen und das dortige Angebot hinsichtlich Größe, Borderlebnis und Routen erweitern.
Diese Aussage gibt einen Hinweis auf die strategische Logik hinter dem Wechsel: Carnival betrachtet die Queen Anne offenbar nicht ausschließlich aus der Perspektive ihrer bisherigen Marke, sondern danach, wo ihre Eigenschaften innerhalb des Konzerns langfristig eingesetzt werden sollen. Dass diese Einschätzung von einem Manager kommt, der gleichzeitig Cunard und P&O Cruises führt, macht die Begründung besonders bemerkenswert.
Ludlow stellt den bisherigen Platz der Queen Anne bei Cunard dennoch nicht infrage. Sie habe sich innerhalb der Flotte eine besondere Position erarbeitet und werde vor ihrem Wechsel noch eine wichtige Rolle bei der „Four Queens“-Veranstaltung in Liverpool im Mai 2028 übernehmen. Im Januar 2029 beginnt anschließend ihre letzte Weltreise als Cunard-Schiff.
Cunard soll sich stärker auf drei Schiffe konzentrieren
Parallel begründet Ludlow den Abgang der Queen Anne mit einer stärkeren Bündelung der Cunard-Flotte. Künftig soll sich die Marke auf Queen Mary 2, Queen Victoria und Queen Elizabeth konzentrieren. Nach seiner Darstellung verfügen alle drei Schiffe über eine fest etablierte Identität und verkörpern besonders deutlich jene Tradition, den Stil und die Atmosphäre, die mit Cunard verbunden werden.
Ludlow weist zugleich den Eindruck zurück, der Schritt könne für geringere Investitionen in Cunard stehen. „Diese Entscheidung ändert nichts an unserem Bekenntnis zu Cunard oder seiner Zukunft“, erklärt er. Investitionen in Schiffe, Service, Routen und das Angebot an Bord sollen fortgesetzt werden. Als konkretes Beispiel nennt Ludlow eine größere Modernisierung der Queen Mary 2 im kommenden Jahr.
Damit zeichnet sich eine unterschiedliche Ausrichtung der beiden Marken ab: P&O Cruises soll mit der Queen Anne ein weiteres und vergleichsweise neues Schiff erhalten, während Cunard seine Flotte wieder stärker um drei etablierte Schiffe bündelt. Wie weit der Umbau der Queen Anne für P&O Cruises gehen wird und wie deutlich sich das Schiff anschließend von seiner bisherigen Cunard-Identität entfernt, bleibt bislang offen.












